Internet-Zensur in Südkorea

Obwohl Südkorea zu den technisch fortgeschrittensten Ländern der Welt zählt, führt die Regierung eine strenge Zensur-Politik im Internet.

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Südkorea, ein progressives Land

Südkorea hält sich selbst für den weltweiten Spitzenreiter, wenn es um das Internet geht. Kein Wunder, denn Südkorea hat eine der besten Internet-Infrastrukturen der Welt. Der durchschnittliche Haushalt in Südkorea hat eine Internetleitung mit 50 Mbit/s. Die Regierung kündigte außerdem an, dass bis 2020, landesweiter 5G Standard für kabelloses Internet geplant ist.

Keine Frage, das Internet in Südkorea hat eine enorm hohe Priorität für die Regierung. Ein wichtiger Grund dafür ist wahrscheinlich auch die sehr belebte Videospiel Kultur. In keinem anderen Land ist die Gaming-Szene stärker vertreten als in Südkorea. Videospiele sind in Südkorea vergleichbar mit dem Fußball in Deutschland oder dem Football in den USA.

Die umstrittene Zensur

Trotz des zukunftsorientierten Internetausbaus hat das futuristische Südkorea eine veraltete Auffassung zum Thema Zensur. Letztes Jahr wurde Südkorea von „Freedom House“, eine amerikanische NGO, als „teilweise frei“ eingestuft. „Reporter ohne Grenzen“ stellten das Land auf die „unter Überwachung“ Liste, wo normalerweise nur Länder wie Ägypten, Russland oder Nordkorea zu finden sind.

Woche für Woche werden immer mehr Webseiten von der Regierung unzugänglich gemacht. Letztes Jahr wurden 23.000 koreanische Webseiten komplett gelöscht, und 63.000 weitere auf die Aufforderung der „Korea Communications Standards Commission“ (KCSC) blockiert. Zum Vergleich: 2009 waren nur 4.500 Seiten im Internet betroffen.

Hauptziel der KCSC sind Pornografie-, Glücksspiel- und Prostitutionsseiten. Alle drei Felder sind in Südkorea sowohl online als auch offline gesetzlich verboten. Hinzu kommt noch die Regelung, dass es unter 16-Jährigen verboten ist, zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens online Videospiele zu zocken. Das hängt mit der Videospielsucht von Jugendlichen zusammen, gegen die Südkorea kämpfen muss.

Ebenfalls blockiert sind sämtliche nordkoreanischen Webseiten und Homepages, die Nordkorea in irgendeiner erdenklichen Form unterstützen. Selbst Google Maps ist blockiert, da es ein Gesetz gibt, welches besagt, dass keine geografischen Daten aus Südkorea nach außerhalb gelangen dürfen. Dieses Gesetz basiert auf der Annahme, dass die Daten in die Hände von Erzfeind Kim Jong Un fallen könnten und ihm einen unfairen Vorteil verschaffen könnten.

Die UN ist sich zumindest einig und verurteilt die KCSC als Institution der Zensur.

Quelle: The Economist

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Alexander Horst

Redakteur bei TechAttack

Ich schwärme für Android und kann mich nicht zwischen OSX und Windows entscheiden. In meiner Freizeit beschäftige ich mich mit Fotografie, Webdesign und der Videoproduktion.

Es gibt 1Kommentar(e)

  1. 10th Juli 2015 | Christian sagt: Antworten
    Das mit Google Maps klingt nach Schwachsinn. Seht euch mal Daum Maps und Naver Maps an.

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